Holzschnitt 1510
    
Niklaus von Flüe
Bruder Klaus  
  
 
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   Im Herzen von Europa  

Bruder Klaus

    Foto: Bruder Klaus
     
Im Herzen von Europa lebte vor etwas mehr
als 500 Jahren Bruder Klaus. Sein besonderes
Charisma mit der grossen Ausstrahlungskraft
kann auch heute noch viele Menschen auf
sich aufmerksam machen und begeistern.
Wer war Bruder Klaus? Wer ist Bruder Klaus?
   

Im Blickpunkt …
  
Ist der so genannte «Pilgertraktat» (Quelle 048), wie bereits der Bruder­klausenforscher Robert Durrer um 1921 vermutete, lediglich eine literarische Fiktion (ähnlich auch Arthur Mojonnier 1942)? Und nur zwei Quellen sagen etwas aus über eine an­geblich vor­handen gewesene Radskizze: eben dieser Pilgertraktat in den zwei äl­tes­ten, gleichzeitigen Ausgaben und bloss an­deu­tend die poetisch gehaltene Bio­grafie von Heinrich Gundelfingen über den Einsiedler im Ranft (Quelle 052). 1488 sind drei verschiedene Varianten dieser Skizze vorhanden. Wel­che hätte denn Bruder Klaus besitzen können? Besass er wirk­lich eine derartige Skizze? Hier die theologisch his­torische Beweis­kette:
  
Im Gutachten zu meiner Dissertation, «Der gött­liche Spiegel» (1981), schrieb mein Dok­torvater, Josef Siegwart OP (Dominikaner, † 17. Dezember 2011), or­dent­licher Professor für Kirchengeschichte an der Universität Frei­burg Schweiz diesen Satz: «Aber ei­gent­lich in­si­nuiert der PT [Pil­ger­traktat] eine ver­altete Trinitätslehre, näm­lich das Ausgehen der drei Personen aus der un­ge­teilten Gottheit, was man seit dem Konzil von Florenz nicht mehr hätte lehren dürfen». In der Bulle «Cantate Domino» hält das Konzil in Florenz 1442 (bzw. 1441 nach floren­ti­nischer Zeit­rech­nung, Jah­res­be­ginn am 25. März) fest, dass die drei Personen nicht aus einem gemeinsamen Ur­sprung hervorgehen. Vielmehr ist in einer Hierarchie der Vater der Ursprung – er geht nicht aus Gott hervor, er ist Gott –, der Sohn geht aus dem Vater hervor und ist Ur­sprung vom Ursprung, beide Personen sind sodann nicht zwei Ursprünge sondern zusammen der Ursprung für den Heiligen Geist (Denzinger 1331). Ge­genteiliges anzunehmen oder sogar zu lehren wird ent­schie­den ver­worfen und mit dem Anathem (Kirchen­bann) belegt (Denzinger 1332). Eigentlich war das damals nicht neu, denn bereits 325 hatte das Konzil von Nicäa (Denzinger 125–126) das Credo im gleichen Sinne fest­gelegt, durch die Jahrhunderte bis heute ver­bind­lich – zu­min­dest der Vater geht nicht aus. – «Wegen dieser Einheit ist der Vater ganz im Sohn, ganz im Heiligen Geist; der Sohn ist ganz im Vater, ganz im Heiligen Geist; der Heilige Geist ist ganz im Vater, ganz im Sohn.» (Florenz, Denzinger 1331) – Es gibt sodann «nicht drei Ursprünge der Schöpfung sondern einen Ur­sprung» (daselbst). Wenn Gott in der Welt ein­greift, dann tun dies alle drei Per­sonen zu­sammen und nicht eine allein. Fazit: Die drei Personen gehen nicht von Gott aus, sie sind Gott. Gott lässt sich nicht aus­ei­nan­derdividieren. In der antiken Theo­logie der Christen wird übri­gens zwi­schen «Gott» und «Gottheit» nicht unter­schie­den, für beides steht θεός (theos = Gott, Gottheit – sowie als Adjektiv: göttlich, zu Gott gehörend, Gott eigen).
  
Beide geistlichen Berater des Einsiedlers Niklaus von Flüe, Oswald Issner (Pfarrer von Kerns) und Heimo Amgrund (Pfarrer von Kriens und später von Stans), mussten über diese Sachlage Bescheid gewusst haben. Sie hätten gewiss interveniert, wenn Bruder Klaus eine «unpassende» Lehre gedacht und geäussert hätte. Dies legt nahe, dass die entsprechenden Worte vom Ausgehen der drei gött­li­chen Personen aus der ungeteilten Gottheit nicht von Bruder Klaus stam­men sondern ihm vom Autor des Traktats in den Mund gelegt wurden (Erklärung der Figur, welche das Aus­sehen hatte wie ein Rad). Auf diesen Worten basiert aber die Radskizze. Die seit 40 Jahren oft fälschlicherweise und mit manchem Unfug verbunden dem Einsiedler zugeschriebene Skizze hatte dieser über­haupt nicht sondern nur das farbige Tuch. Die abstrakte Skizze dient dem Versuch, Entstehung und Konzept des farbigen Medationsbildes zu ergründen – heute würde man sagen: «Be­havioral Analysis«. Dieser Ver­such ist eine reine Fiktion und historisch nicht zutreffend.
  
Manche meinen, heute könnten wir vielleicht die Dreifaltigkeit etwas lockerer glauben, damals aber, im 15. Jahrhundert, galten in dogma­ti­schen Fragen strenge Normen. Abweichungen wurden nicht toleriert. Dies trifft übrigens auch zu in Bezug auf die Vision des Brunnens, aus dem drei Komponenten aus­fliessen. Da geht es nicht explizit um die Trinität sondern um drei sym­bolisch angedeutete Manifestationen des Heiligen Geistes in Anlehnung an den Pfingsthymnus «Veni, Creator Spiritus», wo der Hl. Geist ein «lebendiger Brunnen» genannt wird: (siehe Beitrag: Brunnen­vision). – Wir müssen die historischen Tatsachen akzep­tieren. Wenn man stur etwas als wahr annimmt, obwohl Hinweise und Beweise klar dagegen sprechen, ist das ganze Gerede nicht mehr historisch sondern hysterisch. Es geht hier nicht einfach um «Ansichten», es liegen Hinweise und Beweise (!) vor, welche die Sachlage klar dokumentieren. Und es gibt auf der anderen Seite absurde, anmassende Vermutungen, die vor­han­denen Beweisen wider­spre­chen. Es sind sogar Beweis­mittel verschwunden, ob leichtfertig oder absichtlich, sei dahingestellt (Quelle 247).
  
Das farbige Tuch (Meditations-, bzw. Andachtstuch) basiert aber keines­wegs auf der Idee bezüglich der Figur (Skizze), wie sie im Pilgertraktat be­schrie­ben wird. Vielmehr sind die Skizzen je ein Versuch der Abstra­hierung ausgehend vom farbigen Tuch. Zudem: wenn das Haupt im Zentrum eben nicht die Gottheit selbst dar­stellt sondern den Menschen als Spiegelbild Gottes, ist das Tuch frei von Häresie. Warum sollte man da überhaupt et­was anderes hineininterpretieren? Heute würde man es als Mindmapping bezeichnen, das seine Wurzeln in der Devotio Moderna hat.
  
Gestaltung und Beschaffenheit der Skizzen erbringen eine weitere Be­weis­kette. Diejenige in Gundelfingens Biografie ist wohl die ur­sprüng­liche, sie wurde mit einem Zirkel gezeichnet. Der Mittelpunkt ist hier lediglich der Nadeleinstich, der einen Krater hinterlassen hat. Die Skizze in der Nürn­berger Ausgabe ist als Holzschnitt seitenverkehrt zur Skizze Gundel­fingens. Die Augsburger Skizze ist eine abstrakte Dar­stellung des ganzen farbigen Tuches. Der eingezeichnete Mittelpunkt ist wohl ein Miss­ver­ständnis. Waren nun beide Herausgeber des gedruckten Pilger­trak­tats, Peter Berger und Markus Ayrer, Studenten der Freien Künste bei Pro­fessor Gundelfingen an der Universität Freiburg im Breisgau? Die ers­ten Drucker hatten eine zu­mindest einfache aka­de­mische Bildung ab­sol­viert. Hatten sie eine lateinische Vorlage oder die Mitschrift einer Vor­lesung auf damals gebräuchliche deut­sche Dialekte übersetzt und ge­druckt sowie als Endredaktoren den Text leicht bear­beitet? Beide hätten dann auch mit einem Zirkel umgehen kön­nen. Das trifft alles zu. Die Holzschnitte der Skizzen waren hingegen Hand­arbeit. Beide Ausgaben entstanden fast gleichzeitig, 1488. Es gibt keinen Beweis dafür, welche der beiden älter ist. Ein Detail noch: In der Augsburger Ausgabe (um 1488) wird fest be­hauptet: «in diser gestalt als hernach volget», wäh­rend in der Nürn­ber­ger Ausgabe die Behauptung «in diser gestalt» nicht zu finden ist. Dem­entsprechend sind dann auch die je ab­ge­bildeten Skizzen recht ver­schieden.
  
Noch ein Argument: Holzschnitte wurden damals immer als Handarbeit angefertigt. Trotzdem, die Linien der Radskizzen wurden je zuerst mit Lineal und Zirkel auf das Holz gezeichnet und danach mit einem Werk­zeug von Hand als Relief heraus­geschnitten (Hochdrucktechnik). Dies ist genau der Fall bei beiden gedruckten Ausgaben des Pilgertraktats: Augsburg um 1488 und Nürnberg 1488. Wie hätte Bruder Klaus ohne geo­me­tri­sche Hilfs­mittel von Hand eine solche Skizze anfertigen können? Nicht möglich. Wer das nicht glaubt, versuche doch selbst einmal vier genau kon­zentrische Kreise frei­händig zu zeichnen. – Auch auf die auf einen Rahmen aufgespannte Lein­wand konnten mit einem Zirkel Kreise vorge­zeichnet werden, um sie da­nach mit Pinsel und Messer auszumalen. Wenn wir nun in einem Quadrat sechs­strahlig symmetrisch sechs gleiche Kreise zeichnen, haben wir in der Mitte Platz für einen gleich grossen Kreis, der die sechs äusse­ren exakt tangiert. Zuerst muss man Breite und Höhe vom Mittelpunkt aus je in drei Teile teilen und erhält so ein Netz von 36 Quadraten. Das geht nicht mit Zirkel und ge­wöhn­lichem Lineal allein, ausser mit einem zusätzlichen Winkel-Lineal, sonst muss man mes­sen und annähernd berechnen. Mit Zirkel und Lineal können wir dann auf der durch die Mitte gehende Senk­rechte vom Zentrum aus sechs gleich­seitige Dreiecke (alle Winkel 60°, Seitenlänge zwei Sechstel der Höhe) zeichnen und erhalten so die Zentren der sechs äusseren Kreise. Der Radius für diese und den mitt­le­ren Kreis ist ein Sechstel der Höhe (bzw. Seitenlänge des Qua­drats). Die Bilder der Evangelistensymbole sind nicht quadratisch sondern etwas breiter. – Anhang in der Studie zum Sachsler Medi­tationsbild, PDF – Nimmt man alle Fragen, Widersprüche, Hin­weise und Beweise ernst, welche die vorliegende Sachlage betreffen, wäre es völlig absurd, noch länger zu behaupten, Bruder Klaus hätte eine geo­metrische Radskizze besessen.
  
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Sonntag, 4. Dezember 2016 21:15 Uhr
   
Bruder Klaus · Niklaus von Flüe · Flüeli-Ranft · Schweiz
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Letzte Dateiänderung: 02.12.2016 22:18:44
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
    
  
  
  
  
  
  
Romanshorn, Salmsach: Wappen und Namen