Holzschnitt 1510
    
Niklaus von Flüe
Bruder Klaus  
  
 
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   Im Herzen von Europa  

Bruder Klaus

    Foto: Bruder Klaus
  
Bruder Klaus in Luzern – ©TAUAV – digitally remastered by WTH
     
Im Herzen von Europa lebte vor etwas mehr
als 500 Jahren Bruder Klaus. Sein besonderes
Charisma mit der grossen Ausstrahlungskraft
kann auch heute noch viele Menschen auf
sich aufmerksam machen und begeistern.
Wer war Bruder Klaus? Wer ist Bruder Klaus?
   

Im Blickpunkt …
  
Für Bruder Klaus (Niklaus von Flüe) ist Pfingsten ein Weg nach innen, wo nicht Gemeinheit und Geschäftigkeit der Menschen herrschen sondern die innern Werte. Eindrücklich wird ein solches Pfingst­erlebnis des Einsiedlers in der Brunnenvision geschildert. Die Erzählung finden wir in zwei Va­ri­an­ten (• Synopse), beide wurden durch die direkten Nachkommen mündlich überliefert und danach schriftlich festgehalten:
1. Die Engelberger Version – Caspar am Büel (Ambühl, Quelle 068)
2. Die Sachsler Version – Heinrich Wölflin (Quelle 072)
  
Die Engelberger Version ist mit dem Namen Caspar am Büel verbunden (neu­sprachlich: Ambühl). Sie wurde vor 1500 aufgezeichnet. Wer war dieser Caspar am Büel? Naheliegend ist eigentlich nur dies: Verena von Flüe, die Tochter von Bruder Klaus, heiratete in zweiter Ehe in Altsellen bei Engelberg in die Sippe der «am Büel» ein. Caspar dürfte der Zeit­rech­nung zu Folge Verenas Sohn sein, also ein Enkel von Bruder Klaus. Ob er nun selbst den Text verfasste ist eher unsicher, vielmehr scheint es, dass er einem Bene­dik­tiner-Mönch in Engelberg die Brunnen­vision und zwei andere Visionen erzählt hatte. Der Endredaktor muss sich nun in der Musik und deren akustischen Phänomenen genauer aus­ge­kannt haben. In der Pilgervision wird geschildert, wie bei einem Ton der Orgel kleinere Pfeifen (in den hö­he­ren Oktaven) mitschwingen und einen eigenen Ton erzeugen. In der Brun­nen­vision wird berichtet, wie der Brunnen einen lauten Ton von sich gibt, der dem eines Horns gleicht. Sicher war es nicht das Hörnchen eines Rindes oder eines Ur, eher etwas grösseres? Ein Alphorn? Zeitlich könnte das hin­kommen. Aber diverse Register bei einer Orgel erzeugen hornartige Klänge, etwas vergleichbar mir dem damals bei Musikanten gebräuchlichen Krummhorn oder dem Pommer (beide gab es in unterschiedlichen Stimm­la­gen). Nun, in der In­nerschweiz gab es zu jener Zeit weit und breit keine Orgel ausser eben in der Klosterkirche von Engelberg.
  
Während die Engelberger Version ziemlich lebensnah ist, verrät die spä­tere Sachsler Version von 1501 die wissenschaftliche Haltung des Ver­fassers, Heinrich Wölflin, Humanist in Bern. Besonders auffällig ist beim Berner Humanisten die Zahl Zehn der Treppenstufen, die genau zu den zehn Geboten passt, wie auch sonst der starke Hinweis auf die Bibel, besonders zur Hoffnung machenden Vision im Buch Jesaja: «Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch! Warum zahlt ihr Geld für das, was kein Brot ist, und sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen und euch am Köstlichen laben.» (Jes 55,1–2). Die Sachsler Version wurde durch Bruder Klausens Nachkommen in Sachseln mündlich überliefert, vermutlich hörte sie Wölflin da nochmals in ver­schie­denen Varianten und bemühte sich danach um eine möglichst exakte theologische Wiedergabe.
  
In beiden Versionen besteht die Flüssigkeit des Brunnens aus Dreierlei (wenn auch in der Reihenfolge abweichend): Wein, Öl und Honig. Im Pfingsthymnus «Veni, Creator Spiritus» (Komm, Schöpfer Geist – 9. Jh.) wird in der zweiten Strophe der Geist Gottes ein «lebendiger Brunnen» (fons vivus) genannt und daran anschliessend «Feuer» (ignis = Wein), «Liebe» (caritas = Honig) und «Seelensalbung» (spiritalis unctio = Öl). BrunnenvisionIn den Quel­len zur Spiritualität von Bruder Klaus finden wir auch diese Bemerkung: «... er [Gott] ist ein Brunnen, aus dem alle Weisheit aus­fliesst, diese wird dem mitge­teilt, der ihrer aus ech­ter Liebe be­gehrt. Das ist die süs­se Ein­flies­sung des Heiligen Geis­tes, dadurch es uns ermöglicht wird, dass wir seine klare Gottheit ewig an­schau­en können.» (Pilger­traktat, Quelle 048). – Die Brunnenvision hat aber auch noch eine soziale Di­men­sion.
  
Zu Lebzeiten des Einsiedlers Klaus von Flüe fand ein Übergang statt von der Naturalwirtschaft zur Geld­wirtschaft. In beiden Versionen der Brunnenvision finden wir eine mo­ra­lische Kritik, welche der Umgang mit dem Geld sogleich auch mit sich brach­te. Allerlei Äusserlichkeiten, nur um an das Geld heran­zu­kom­men, wurden zusehends wich­tiger als die innern Werte. Dabei war das Phänomen damals schon zweitausend Jahre alt und wurzelt in der Lehre der Sekte der Py­tha­go­re­er und deren Maxime: Wer die Zahl hat, kann die Welt beherrschen. Bereits ein Zeitgenosse von Pythagoras, im 6. Jh. v. Chr., be­merk­te zu der Doktrin der Pythagoreer, sie sei eine Lügenkunst (kakotechnia, Kunst des Unheils) – es war der Philosoph Heraklit in Ephesus (Fragment B129). Die Sekte war auch verschiedenen Autoren der Bibel bekannt. Im Laufe der Jahrhunderte steigerte sich die Geld-Paranoia zum Exzess. Gewisse Geister können keine Ruhe finden, bis nicht auch der letzte Mensch im Amazonas oder in Neu-Guinea vom Geld abhängig ist. Dabei schaffen sie nur «schwarze Löcher», wo die ganze Nichtigkeit aufscheint. – Sicher, es ist heute ein grosser Unter­schied, ob ein Mensch gezwungener Massen das Geld für das Le­bens­not­wendige zusammenbringen muss oder ob einer zum Komplizen derer wird, welche in ihrer Gier buchstäblich über Leichen gehen – zum Beispiel wenn sie die Bodenschätze in Afrika aus­plündern und dabei brutale Militärbanden engagieren, so dass das Volk ständig hungert und auf der Flucht ist. Wölflin schreibt am Schluss seiner Variante mit apokalyptischen Worten: «Beinahe alle auf der weiten Welt suchen nach ihrem eigenen und bloss vorübergehenden Vorteil und werden dadurch abgehalten, zum Brunnen hinzugehen, stattdessen gehen sie in ihr Verderben.» Es ist aber heute für einen gewöhnlichen Erdenbürger äusserst schwer kein Kom­pli­ze zu sein, trotzdem sollte jeder die inneren Werte suchen und danach streben, friedfertig, wahrhaftig, gerecht und barmherzig zu sein, aber nur dort, wo wirkliche Not vorliegt und nicht bei irgendwelchen unnö­ti­gen oder gar schamlos verklärten Projekten.
  
Es geht in der Apokalypse am Schluss der Bibel (dessen Urheber der Le­gende nach der Apostel Johannes, zeitweise in Ephesus gelebt haben soll) nicht um eine bestimmte Zahl in astronomischer Höhe, es geht einfach nur um das Geld und den Wahn, dass man mit ihm alles machen und erreichen könne, sehr oft allerdings nicht auf saubere Weise. Es wird schamlos gelogen und betrogen. Und so wurde die Anzahl der Komplizen Legion. Die Folgen der krankhaft gewordenen Gier sind Unfrieden und Un­gerechtigkeit – genau das Gegenteil zur messianischen Gegenwart, die näm­lich das bedeutet: «Gerechtigkeit und Friede küssen sich.» (Ps 85,11). Wenn sich die Menschen mehr um die inneren Werte kümmern würden, hätten wir eine bessere Welt. Aber bekanntlich sind gewisse Krankheiten, wenn sie endemische Züge angenommen haben, kaum mehr «wegzuzaubern», da bräuchte es schon etwas mehr an heilenden Kräften.
  
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Dienstag, 30. Mai 2017 05:24 Uhr
   
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Letzte Dateiänderung: 29.05.2017 09:04:17
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
    
  
  
  
  
  
  
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