Holzschnitt 1510
    
Niklaus von Flüe
Bruder Klaus  
  
 
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   Im Herzen von Europa  

Bruder Klaus

    Foto: Bruder Klaus
  
Bruder Klaus in Luzern – ©TAUAV – digitally remastered by WTH
     
Im Herzen von Europa
lebte vor 600 Jahren Bruder Klaus.
Sein besonderes Charisma
mit der grossen Ausstrahlungskraft
kann auch heute noch viele Menschen auf
sich aufmerksam machen und begeistern.
Wer war Bruder Klaus? Wer ist Bruder Klaus?
   

Im Blickpunkt …
  
«Darum sollt Ihr darauf achten, dass Ihr aufeinander hört, dabei sei Euch die Weisheit das Allerliebste, denn mit ihr verläuft alles zum Besten.» so lautet ein Satz im Brief des Einsiedlers Niklaus von Flüe an den Rat von Bern, datiert mit 4. Dezember 1482. – Und die Einleitung des Briefes heisst: «Der Name Jesus sei Euer Gruss,»
  
Welche Weisheit? Was ist Weisheit? Schwer zu sagen. Aber vielleicht gibt es doch eine Annäherung an das höchste geistige Gut. «Keiner ist stark aus eigener Kraft, niemand ist weise aus sich selbst.» Diese Geistes­haltung täte jedem Menschen gut, und ist der Anfang des Weges mit der Weisheit.
  
Die O-Antiphon (Zwischengesang in der Messe) am 17. Dezember lautet:
  
O Sapientia,
quae ex ore Altissimi prodiisti,
attingens a fine usque ad finem,
fortiter suaviterque disponens omnia:
veni ad docendum nos viam prudentiæ.
  
O Weisheit
aus des Höchsten Mund,
die du umspannst des Weltalls Rund,
und alles lenkst mit Kraft und Rat,
komm, lehr uns deiner Weisheit Pfad.
  
Was ist der Pfad der Weisheit? Sollen wir in der weiten Unendlichkeit des Alls suchen oder liegt uns das Gute so nah? Weisheit, lateinisch: Sapientia, griechisch: Sophia, ist uns näher als viele meinen. In den Orthodoxen Kir­chen ist sie eine menschenähnliche, menschennahe Ge­stalt, die Heilige Sophia – die ehemalige Hauptkirche des Ostens wurde nach ihr benannt: «Hagia Sophia» in Byzanz (Konstantinopel, heute Museum). Diese Sophia wurde und wird in vielen Ikonen dargestellt. – Der Pfad der Weisheit ist die Liebe zur Weisheit. Weil der erwähnte Gesang in der Adventszeit aktuell ist, dürfen wir davon ausgehen, dass Jesus, der Christus, gemeint ist. Die Weisheit aus dem Mund Gottes, des Aller­höchsten (vgl. Jesus Sirach 24,3 und Weisheit 7,22–29) könnten wir auch im ersten Vers des Jo­han­nes­evangeliums (Evangelium am Weihnachtstag) finden. Ist sie der Logos, das Wort? Damit ist Jesus gemeint, der Sohn Gottes. Oder ist die Weisheit doch der Heilige Geist (das Hagion Pneuma)? Wie auch immer die Zuordnung in der Trinität sein mag – letztlich un­begreifbar, ohne Begriffe. Der Geist und der Sohn sind eins, so wie die Weisheit und das Wort Gottes eins sind – die Macht, die ausgeht aus dem Herzen Gottes. Nun könnten wir uns in ein Ge­spräch mit Agnostikern einlassen, die an eine Höhere Macht glauben. Was ist diese Höhere Macht? Und was ist «Weisheit». Weisheit können wir nicht ein­fach besitzen und aus uns selbst hervor­bringen, wir müssen sie als Ge­schenk verstehen und an­nehmen. So lernen wir die Dankbarkeit. Und die Dankbarkeit ist das beste Mittel gegen Überheblichkeit.
  
Die Liebe zur Weisheit, wie sie für alle lebbar ist, hat ei­gent­lich dem Namen nach ei­ne alte Tradition. Alt­gie­chisch heisst diese Zunei­gung näm­lich «Philia Sophias». Das heisst: «Philosophie». Doch lei­der nehmen heute manche Men­schen dieses Wort in den Mund ohne dessen Sinn zu verste­hen, aus reiner An­ge­berei – sie plap­pern wirr, sie meinen nicht die Liebe zur Weis­heit sondern nur ihre ei­ge­ne geschäfts­tüchti­ge Idee.
  
Die Höhere Macht oder viel­mehr die Höchste Macht (vgl. Psalmen 46,5 und 91,1) teilt mit uns die Weis­heit, die wir als Geschenk, als Gabe emp­fangen. Erst durch die Liebe zur Weisheit bekom­men wir den Mut, die Hoff­nung und die Freude; so wird die Macht stark in uns. Wir lernen Verant­wortung und Dankbarkeit, wir befinden uns auf der hellen Seite der Macht. Überheblichkeit, Furcht, Zorn und Hass sind der Pfad zur dunklen Seite. «Hasset nicht. Fürchtet Euch nicht!» Denn heute ist die Liebe und Weisheit aus dem Herzen Gottes in Euch geboren. Wann ist heute? An jedem Tag, zu jeder Sekunde. Und was uns geboren wird, lieben wir über alles. Und in Menschen, die sich in der geistigen Finsternis, auf der dunklen Seite der Macht, verirrt hatten, kann so ein neues Leben be­ginnen.
  
Vom englischen Philosophen Francis Bacon (1561–1626) soll die Maxime stammen: «Wissen ist Macht.» (For knowledge itself is power, 1598 in seinen Meditationes Sacrae). Er schrieb allerdings lateinisch: «Scientia…», also: Die Wissenschaft selbst ist Macht. Das aber ist zu kurz gedacht. Kein Mensch kann je genug wissen, um wirkliche, beständige Macht zu haben. Der Pfad der Weisheit ist also dieser: Die Liebe zur Weisheit führt uns hin zur Macht. Die Quelle der Weisheit und so eben dieser Macht ist im Innern der Seele – wie der Brunnen in der Brunnenvision von Bruder Klaus. Umge­setzt nach aussen wirkt diese Macht bei uns als Mut, als die Kraft, die uns im Leben voranbringt und gute Taten fördert. Ver­trauen wir dieser Liebe zur Weisheit, geben wir uns ihr dankbar hin! Dann ist die «Macht» stark in uns. – Könnte es Bruder Klaus nicht auch so gemeint haben? – Ohne Liebe zur Weisheit ist selbst die grösste Intelligenz nur ein leerer Krug. Die Seele von Bruder Klaus wird durchströmt von Liebe und Weisheit aus dem Herzen Gottes. Und im wahrsten Sinne des Wortes: Bruder Klaus ist ein Philosoph.
  
Die Liebe und die Weisheit aus dem Herzen Gottes sind die Macht, in Jesus von Nazareth sichtbar geworden in menschlicher Gestalt. Jesus ist die menschgewordene Liebe Gottes, in der Fülle der Weisheit. Und so könnten wir nun beten für alle Lebenden, Sterbenden und Verstorbenen: «Möge das Licht und die Wärme der Liebe Gottes in ihren Seelen auf­scheinen.»
  
Abbildung: Ausschnitt aus dem Sachsler Meditationstuch (entstanden zwischen 1465 und 1475)
  
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Montag, 18. Dezember 2017 17:19 Uhr
   
Bruder Klaus · Niklaus von Flüe · Flüeli-Ranft · Schweiz
© 1998–2017 ·
nvf.ch, brunnenvision.ch und bruderklaus.eu (vormals: bruderklaus.ch)
Designed and published by Werner T. Huber, Dr. theol.

Letzte Dateiänderung: 13.12.2017 16:49:58
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
    
  
  
  
  
  
  
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