Holzschnitt 1510
    
Niklaus von Flüe
Bruder Klaus  
  
 
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   Quellen - Bruder Klausund Dorothea
  
  
Ammann Bürgler in Mailand
  
Quelle Nr. 028

  

  
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Zeit: a) 23. Mai 1482; – b) 29. Juni 1482; – c) 22. März 1483
  
Herkunft: a, b, c) Stadtarchiv Mailand (Svizzeri e Grigioni)
  
Kommentar: Zunächst in inoffizieller Mission reiste der Landammann Obwaldens Hauptmann Heinrich Bürgler sofort nach der Tagsatzung von Stans (Dezember 1481 – Stanser Verkommnis) an den herzoglichen Hof in Mailand. Der Herzog, Johann Galeazzo Maria Sforza-Visconti, war jung und führte die Regierungsgeschäfte nicht selbst, sondern sein Onkel Lodovico Moro, der die Herrschaft an sich gerissen hatte. Dieser empfing den Landammann in einer Audienz (2. Brief). Der Zweck der Bemühungen Bürglers ist nicht transparent. Es ging im grösseren Horizont um den politischen Gegensatz zwischen dem Herzogtum Mailand und dem Königreich Frankreich insbesondere um die wirtschaftliche Macht, nicht zuletzt auch bezüglich wichtiger Handelswege in Oberitalien. Dieser Gegensatz gipfelte mehrmals in kriegerischen Konflikten. Heinrich Bürgler war ein Verwandter des Niklaus von Flüe. Die Obwaldner standen eher auf der Seite der Mailänder, währenddem die Luzerner den König von Frankreich unterstützten –, denn sie fühlten sich durch die Zollpraktiken der herzoglichen Herrschaft Mailands zu sehr in ihrer Handelsfreiheit eingeschränkt. Dieser Gegensatz brannte offen aus, als es um die Neubesetzung des Bischofssitzes in Sitten (Sion) ging. Frankreich und Luzern wollten Jost von Silinen, die mailändische und promailändische Gegenseite jedoch einen Geistlichen aus dem Hause Borromeo (Grafen in Arona). Aber vermutlich war dies nur ein Ablenkungsmanöver. Ludovico Moro erteilte dem Obwaldner Politiker Heinrich Bürgler einen Auftrag, damit er sich um die Hilfe von Bruder Klaus bemühe; Mailand war durch die Übermacht Frankreichs bedroht – [Niklaus von Flüe – Politik für den Frieden]. Was durch Bruder Klaus in dieser Hinsicht getan wurde, ist nicht bekannt. Sicher ist, dass auch die Luzerner mit dem Eremiten im Ranft ständig im Kontakt waren, und zu vermuten ist, dass dieser durch die Luzerner als Gewährsleute einen Einfluss am französischen Königshof hatte, um den Frieden zu erhalten. – Auf die Dauer konnte der Druck Frankreichs jedoch nicht aufgehalten werden, nach dem Tod von Bruder Klaus (1487), drangen die Franzosen 1494 mit grosser Heeresstärke in Italien ein und 1499 wurde Mailand von ihnen eingenommen und am 14. September 1515 (Schlacht bei Marignano) war es endgültig aus mit der Herrschaft der Familie Sforza-Visconti. Auf den italienischen Schlachtfeldern kämpften zu jener Zeit Schweizer Söldner auf beiden Seiten, also gegeneinander, wie bereits erwähnt: die Obwaldner und andere auf der Seite Mailands, die Luzerner, Berner, Freiburger und Solothurner auf der Seite Frankreichs. Der Kirchenstaat (Rom) wechselte übrigens immer wieder die Fronten, war er vorher massiv gegen das Herzogtum Mailand eingestellt, so sah man sich dort nun 1494 durch Frankreich bedroht. Später verbündete man sich dagegen wieder mit Frankreich gegen das Haus Habsburg usw. Letzteres erhielt schliesslich bald Oberitalien unter seine Kontrolle (der Habsburger Kaiser war dann zugleich auch Herzog von Mailand, 1494 heiratete Maximilian I. in zweiter Ehe die Erbin Mailands, Bianca Maria Sforza), und die österreichischen und spanischen Habsburger behielten diese Kontrolle mehr oder weniger bis zur denkwürdigen Schlacht von Solferino 1859.
  
Referenz: Robert Durrer, Bruder Klaus-Quellenwerk, 115–120

  

   a) Bonifortus de Caymis, Capitaneo von Domodossola an Johann Galeazzo Maria Sforza Visconti, Herzog von Mailand.
Domodossola, 23. Mai 1482.
  
In den vergangenen Tagen ist der gestrenge Herr Heinrich Bürgler, Capitaneo und Amtsmann von Unterwalden, von den grossmächtigen Herren des Schweizerbundes [nach der Tagsatzung in Stans] hierher gekommen auf dem Wege nach Mailand zu Eurer erlauchten Hoheit. Er hat in diesem Lande einige Tage Rast gemacht bei einigen seiner Verwandten und durch Verschwägerung Verbundenen, die zu den Vornehmen dieses Landes gehören. Dieser Heinrich kommt zu Eurer Exzellenz, und da ich vernommen, dass er gegen Eure Hoheit sehr geneigt und wohlgesinnt, schon seiner obgenannten verwandtschaftlichen Verbindungen wegen, so ersuche ich Eure Hoheit ihm wohlwollend eine gute Aufnahme zu gewähren.
     
b) Erhabener und mächtiger, hochverehrter Herr, meine schuldige und demütige Empfehlung zuvor.
  
Eure Herrlichkeit kann sich erinnern, dass ich vor einigen Tagen zusammen mit Herrn Heinrich, genannt Ammann Bürgler von Unterwalden, einem Vetter des heiligen Einsiedlers von Unterwalden oder Deutschland im Schloss bei Eurer Herrlichkeit und nachher beim erlauchten und erhabenen Herrn Ludwig [Lodovico Moro, der Onkel des Herzogs] war, wegen einigen gemeinsam zu besprechenden Angelegenheiten, wie Euere Herrlichkeit wohl weiss. Entsprechend dem Wunsche Ihrer Hoheit um rasche Durchführung ihres Auftrages, insbesondere beim heiligen Eremiten, hat er mir jetzt einen vertrauten Boten mit gewissen Briefen gesandt, welche glaublich an vorgenannten erhabenen Herrn Ludwig sich richten, nebst andern Briefen, die an mich gerichtet sind, die ich pflichtgemäss Eurer Herrlichkeit übersende durch Hermann Lampugnano, meinen Vetter und den Verwandten Eurer Herrlichkeit von Seite Eurer Gemahlin, der erlauchten Madonna Appollonia. Wenn die Briefe Antwort verdienen, ist diese am besten meinem genannten zuverlässigen Verwandten zu übergeben. Ich werde sie dann nach Deutschland an den Empfänger senden, nach bester Schuldigkeit und Vermögen. Sonst habe ich gegenwärtig nichts weiteres mitzuteilen, als dass ich mich fortwährend Eurer Herrlichkeit empfehle, der ich mich in allem nach Euerem Gutdünken zur Verfügung halte. Nichts mehr.
     Gegeben zu Domodossola am zweitletzten Tage des Juni 1482. Im übrigen schreibe ich an den vorgenannten erhabenen Herrn Ludwig in entsprechendem Wortlaut. Euerer Herrlichkeit ergebener Andreas de Baceno von Domodossola mit Empfehlung etc.
(Adresse:) Dem vornehmen, wohledlen und erhabenen Herrn Bartholomäus Calchus, dem würdigen obersten herzoglichen Sekretär, seinem vortrefflichen und hochzuverehrenden Herrn und Verwandten.
  
c) Erhabener und mächtiger hochzuverehrender Herr, meine schuldige Empfehlung zuvor. Ich erinnere endlich Eure Herrlichkeit daran, dass der wohledle Herr Heinrich Bürgler Landammann zu Unterwalden und Verwandter des frommen Eremiten von Unterwalden bei seiner Rückkehr aus der Stadt Mailand keine Antwort auf die Briefe erlangen konnte, die er überreicht hatte und deren Beantwortung von der Regierung dem hochedlen, hochgeborenen Herrn Ludwig Maria Sforza Visconti Gubernator (Regent) des mailändischen Staates, übertragen worden war. Darüber beklagt er sich bitter und verlangt jene Antwort. Daher finde ich für gut, Eurer Herrlichkeit, in die ich ganz und gar vertraue, brieflich Kenntnis zu geben, damit sie auf diskrete Weise dafür sorge, dass seinem Wunsche entsprochen werde. Wenn mir die Antwort auf diese Briefe übermittelt und zugeschickt wird, werde ich sie so rasch als möglich weiter. schicken. Gegenwärtig nichts anderes, als dass ich mich Eurer Herrlichkeit ganz empfehle für jetzt und immerdar. Gut Glück. Gegeben zu Domodossola, den 22. März 1483. Euer Herrlichkeit Andreas de Baceno von Domodossola mit Empfehlung etc.
(Adresse:) Dem erhabenen und mächtigen Herrn Bartholomäus Calchus, würdigen Sekretär des erhabenen Herrn Herzog von Mailand, meinem hochzuverehrenden Gebieter.
    
  
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