Holzschnitt 1510
    
Niklaus von Flüe
Bruder Klaus  
  
 
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   Quellen - Bruder Klausund Dorothea
  
  
Das Festspiel von Jakob Gretser
  
Quelle Nr. 281

  

  
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Zeit: 1586
  
Herkunft: Lyzealbibliothek Dillingen, Papier Cod. Nr. 227 (Autograph)
  
Kommentar: Eigentlich haben Gedichte und Schauspiele als historische Quelle einen sehr geringen Wert. Etwas anders sieht es aus, wenn hier Worte vorkommen, die eine echte Quelle bestätigen, vor allem, wenn diese in früherer Zeit wenig bekannt war. Dies ist nun der Fall in Bezug auf Jakob Gretsers Festspiel zu Bruder Klaus anlässlich der Feier zum Abschluss des «Goldenen Bundes» (Sonderbund zwischen den 7 katholischen Orten). Es handelt sich um ein Theaterstück im Stil des barocken Jesuitendramas (man denke nur etwa an den «Jederman»). Der grosse Nachteil des Stücks war: Es wurde in lateinischer Sprache aufgeführt – am 5. Oktober in Luzern durch Studenten des Luzerner Gymnasiums unter dem Titel: «Comedia de vita Nicolai Underwaldii Eremitae Helvetii».
     Jakob Gretser (geboren 1562 in Markdorf am Bodensee, seit 1578 Jesuit, 1625 gestorben in Ingolstadt) verwendete grösstenteils das Werk von Ulrich Witwyler (Quelle 262). In der ersten Szene im vierten Akt enthält einen Dialog zwischen dem Konstanzer Weihbischof Thomas und Bruder Klaus, es geht dabei um die bischöfliche Prüfung des Wunderfastens (Nahrungslosigkeit) des Eremiten. Höchst bemerkenswert ist hier nun, wie Bruder Klaus von einer «Pilgerreise» in fremde Länder spricht ». Zufall? Denn in keiner historischen Quelle wird explizit solches gesagt ausser in einer, dem Reisetagebuch des Junkers aus Sachsen, Hans von Waldheim (Quelle 009) – er wollte als Wallbruder (Wallfahrer, Pilger) ins «elend gan (elend = Ausland, dreimal im Sachsler Kirchenbuch, Quelle Quelle 053). Dieses konnte Gretser jedoch kaum gekannt haben. Also eine mündliche Überlieferung?
  
Referenz: Robert Durrer, Bruder Klaus-Quellenwerk, 863–865

  

   [Auszug: ]
  
Weihbischof:
Sage, Niklaus, mir zu Gottes Preise,
Welchen du verherrlichst treu beflissen,
Lebst du wirklich ohne Trank und Speise?
Denn ich muss die volle Wahrheit wissen,
Bischof Hermann will sie kennen.
Überhebung wird es niemand nennen,
Wenn getreulich du geoffenbart,
Wie sich Gottes Kraft an dir erwahrt.
Paulus auch der Eremiten Licht,
Anton und Onophrius säumten nicht,
Wie auch Zosimus und die ganze Schaar,
Zu eröffnen, was so wunderbar.
Siehe, dass du ihnen ähnlich handelst,
Der du ja in ihren Spuren wandelst.
   
Nikolaus:
Ungern mag mein Leben ich enthüllen,
Aber deinen Wunsch muss ich erfüllen.
Demnach sei getreu berichtet,
Wie der Herr mein Los geschlichtet.
Erstlich ward ich frei vom Joch der Ehe,
Was ich früher, wie ich gern gestehe,
Nie erlangte. Dann der Heimat wandte
Ich den Rücken, zog durch unbekannte
Länder, bis mich Gott in wunderbaren
Träumen zu den heimatlichen Laren
Meine Wege wieder finden liess
Und in diesen stillen Hain mich wies.
Seit zu Ende meine Pilgerreise,
Leb' ich ohne Trank und ohne Speise,
Denn der höchste Herr der Welt
Hat zu einem Wunder mich erwählt.
   
Weihbischof:
Gern vernahm ich kurz und schlicht
Deines Lebens treulichen Bericht.
Doch da ird'sche Speise dir nicht frommt,
Sage mir, woher die Stärkung kommt ?
Denn wer lebet ohne Körperspeise,
Wird genährt auf eine geist'ge Weise.
   
Nikolaus:
Selbst auch glaub ich, nicht aus ird'schen Quellen
Fliessen meines Lebens Wellen.
   
Weihbischof:
Doch was stärkt dich in besonderm Grade ?
   
Nikolaus:
Fasten, Beten und des Heilands Gnade,
Wenn der Priester dessen Leib erhebt
Und er über seinen Händen schwebt.
Dieses sind die unsichtbaren Gaben,
Die mein Leben mir erhalten haben;
Und geniess ich Gott im Sakrament,
Neue Lebenskraft in mir entbrennt,
Wie von einem Brunnen himmelsklar.
Das sind meine Speisen wunderbar.
    
  
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